Osteopathie bei Kinderwunsch

Wenn sich ein Kinderwunsch nicht erfüllt, liegt das selten an einer einzigen Ursache. Die Mehrzahl der Paare, die zu uns kommt, hat bereits eine Reihe medizinischer Untersuchungen hinter sich. Häufig ohne klaren Befund. Genau in solchen Situationen kann ein osteopathischer Blick auf den Körper sinnvoll sein.

Die Idee dahinter: Nach osteopathischem Verständnis sollten die Strukturen im Becken frei beweglich sein. Operationsnarben, alte Entzündungen, Verklebungen nach einer Endometriose oder einer Blinddarmoperation, ein Sturz auf das Steißbein vor vielen Jahren oder eine chronische Verspannung im unteren Rücken können die Beweglichkeit der Beckenorgane einschränken. Genau dort setzt unsere Behandlung an.

Eine Schwangerschaft können wir nicht versprechen. Ziel unserer Behandlung ist es, die Beweglichkeit im Becken zu verbessern und Sie in dieser Phase körperlich zu begleiten. Wie viele Sitzungen sinnvoll sind, besprechen wir individuell. Wir arbeiten ergänzend zu reproduktionsmedizinischer Behandlung, nie als Alternative. Auch während einer IVF- oder ICSI-Behandlung ist eine begleitende Osteopathie nach Absprache mit Ihrer Kinderwunschpraxis möglich.

Wie eine Behandlung bei Kinderwunsch abläuft

Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch. Wir hören uns die bisherige Geschichte an, gehen Vorbefunde durch, fragen nach Operationen, früheren Schwangerschaften, Zyklusverlauf, Stresssituationen, Ernährung. Ein erster Termin dauert deshalb länger als eine reine Behandlung, meist 60 bis 75 Minuten.

Im Befund prüfen wir die Beweglichkeit von Becken, Wirbelsäule, Zwerchfell, Bauchorganen und Beckenboden. Auf Wunsch und nach ausführlicher Aufklärung arbeiten wir auch intern, also über die Vagina. Diese Technik ermöglicht einen direkten Zugang zur Gebärmutter und ihren Aufhängungen. Sie ist freiwillig und jederzeit unterbrechbar. Wenn Sie diese Form der Behandlung nicht möchten, arbeiten wir ausschließlich extern.

Auf Ihren Wunsch ergänzen wir die Behandlung um Schüßler Salze oder Ohrakupunktur. Beides sind ergänzende Verfahren, die wir nicht jedem aufdrängen, aber gerne anbieten, wenn Sie damit Erfahrung haben oder neugierig darauf sind.

‍

1. Organische Faktoren

Vor jeder osteopathischen Behandlung sollte gynäkologisch abgeklärt sein, dass keine Erkrankung vorliegt, die einer Schwangerschaft im Weg steht. Osteopathisch betrachten wir anschließend die Beweglichkeit im Bauch- und Beckenraum, zum Beispiel nach Operationen, Entzündungen, Endometriose oder Eingriffen wie Konisation oder Kürettage. Unsere Befunde ersetzen keine gynäkologische Diagnostik.

‍

2. Frühere Verletzungen

Ein Sturz auf das Steißbein, ein Beckenringbruch, ein schwerer Autounfall: Auch Jahre später können solche Ereignisse die Statik des Beckens und damit die Position und Durchblutung der inneren Organe beeinflussen. Hier setzt die parietale Osteopathie an.

‍

3. Stress & das hormonelle System

Hormone werden über die sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-Achse gesteuert. Anhaltender Stress, körperlich wie emotional, kann dieses fein abgestimmte System belasten. Die craniosacrale Osteopathie ist eine besonders sanfte Behandlungsform, die viele Patientinnen als entspannend erleben. Sie ersetzt weder eine medizinische noch eine psychotherapeutische Behandlung.

4. Männliche Faktoren

Etwa die Hälfte der Fälle ungewollter Kinderlosigkeit hat männliche Ursachen oder Mitursachen. Auch beim Mann können Operationen, Verletzungen, chronischer Stress und Lebensstilfaktoren eine Rolle spielen. Osteopathisch arbeiten wir hier an der Beweglichkeit von Becken und Bauchraum. Eine Behandlung der Hoden selbst findet dabei nicht statt. Wenn sich ein Kinderwunsch nicht erfüllt, ist es grundsätzlich sinnvoll, beide Partner ärztlich untersuchen zu lassen.

‍

Osteopathie in der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft ist eine der größten körperlichen Veränderungen, die ein Mensch durchmacht. Innerhalb von vierzig Wochen verschiebt sich die gesamte Statik. Das Becken weitet sich, die Wirbelsäule passt sich an das wachsende Gewicht an, die Bauchorgane werden verdrängt, das Zwerchfell verändert seine Lage, der Beckenboden trägt zunehmend Last. Der weibliche Körper bewältigt das normalerweise sehr gut. Manchmal aber stößt die Anpassungsfähigkeit an Grenzen, dann entstehen Beschwerden.

Wir behandeln Schwangere ab der achten Schwangerschaftswoche. In den ersten Wochen begleiten wir bevorzugt durch Hebamme oder Frauenärztin, das hat sich bewährt.

Im ersten Trimenon geht es vor allem um Entspannung und um das Lösen vorbestehender Spannungen, bevor die Schwangerschaft sichtbar wird. Wir behandeln Blockaden im Becken und in der Wirbelsäule und arbeiten an der Beweglichkeit der Bauchorgane. Auch bei Übelkeit, Müdigkeit und Spannungskopfschmerzen kann eine sanfte osteopathische Behandlung eine Option sein; bei starken Beschwerden ist Ihre Frauenärztin die erste Ansprechpartnerin.

Im zweiten und dritten Trimenon rücken andere Themen in den Vordergrund. Schmerzen im Iliosakralgelenk, Symphysenbeschwerden, Ischiasreizungen, das ziehende Gefühl der Mutterbänder, Sodbrennen, geschwollene Beine, ein schwerer unterer Rücken. Hier behandeln wir gezielt mit Lagerungen, die für Schwangere angenehm sind, in Seitenlage oder mit Kissenunterstützung. Im letzten Trimenon bereiten wir auf Wunsch das Becken und den Beckenboden auf die Geburt vor, das heißt wir arbeiten an der Beweglichkeit beider Beckenhälften gegeneinander und am Tonus des Beckenbodens.

Wichtig zu wissen: Alle Techniken, die wir in der Schwangerschaft anwenden, sind auf diese Lebensphase abgestimmt. Es wird nicht manipuliert, nicht ruckartig gedehnt und nicht mit starkem Druck gearbeitet. Bitte stimmen Sie die Behandlung vorab mit Ihrer Frauenärztin oder Hebamme ab.

Osteopathie nach der Geburt

Die ersten Wochen nach der Geburt sind selten so erholsam, wie es das Wort Wochenbett vermuten lässt. Der Körper hat eine enorme Leistung vollbracht, das Becken ist weit, der Beckenboden geschwächt, Hormone schwanken, der Schlaf fehlt, die Strukturen müssen sich neu sortieren. Eine osteopathische Behandlung sechs bis acht Wochen nach der Geburt, also nach Abschluss der ersten Rückbildungsphase und nach der frauenärztlichen Untersuchung, kann diesen Prozess deutlich erleichtern.

Anlässe, die Frauen häufig zu uns führen:

Beckenbodenschwäche, Urinverlust beim Niesen oder Husten, ein schweres Gefühl im Beckenboden.Narben nach Kaiserschnitt, Dammriss oder Episiotomie, die ziehen, taub sind oder die Beweglichkeit einschränken.Anhaltende Rückenschmerzen, ein blockiertes Iliosakralgelenk, Verspannungen im Schulter und Nackenbereich durch das viele Tragen und Stillen.Verdauungsbeschwerden, die sich nach der Geburt nicht zurückbilden.Schwellungen, die nicht zurückgehen, Hämorrhoiden, Stauungen in den Beinen.Spannungsgefühle in der Brust, wiederkehrende Milchstaus.Ein körperliches und emotionales Erschöpfungsgefühl, das sich nicht erklären lässt, das aber den Alltag mit dem Kind belastet.

Auch hier gilt, was wir leisten können, ist eine körperliche Begleitung. Bei seelischer Erschöpfung, Anzeichen einer postpartalen Depression oder anhaltenden Schlafproblemen ist die Frauenärztin oder die Hebamme die richtige erste Adresse.

FAQ

Häufige Fragen & Antworten - Kinderwunsch & Schwangerschaft

Unsere Preise:
Übernimmt meine Krankenkasse die Kosten für Osteopathie?
Wie funktioniert die Kostenübernahme durch die Krankenkassen?

Kann eine Frauenärztin Osteopathie verschreiben?
Kann ich in der Nähe der Praxis Parken?